ZWISCHENRÄUME
 
Emmersdorf/Donau
 
Die Massaker von Leiben
 
In den ersten drei Aprilwochen 1945 war auf dem Gelände der Spinnerei Geyer & Co. eine rund 100 Mann starke Einheit der 4. SS-Werkstattkompanie der Panzerdivision "Das Reich" stationiert. Mitglieder dieser SS-Einheit führten in dieser Zeit Patrouillen entlang der Straße zwischen Weitenegg und Pöggstall durch, nahmen passierende Gruppen ungarisch-jüdischer ZwangsarbeiterInnen fest und beteiligten sich an deren Misshandlung und Ermordung. Bei den Opfern handelte es sich um insgesamt zehn ungarisch-jüdische ZwangsarbeiterInnen im Alter zwischen 20 und 60 Jahren sowie einen rund 40-jährigen sowjetischen Kriegsgefangenen. Die Männer und Frauen mussten sich in die von ihnen selbst mit Spaten ausgehobenen Gräber legen und wurden von den SS-Männern per Genickschuss in den Hinterkopf getötet. Die elf Menschen wurden vermutlich an drei verschiedenen Tagen im Umfeld des Fabriksgeländes aufgegriffen, in den Wald an der Gemeindegrenze zwischen den heutigen Gemeinden Leiben und Emmersdorf gebracht.

Unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs nahm die Gendarmerie Klein-Pöchlarn die polizeilichen Ermittlungen zu den Massakern auf und am 26. September 1945 wurde mit der Exhumierung und Obduktion der Leichen durch einen gerichtlichen Sachverständigen begonnen. Die elf Leichen wurden auf drei Gräber verteilt gefunden, wobei sich im ersten Grab die sterblichen Überreste von zwei Frauen und zwei Männern befanden, im zweiten Grab fanden sich sechs weitere Ermordete, darunter vier Frauen und zwei Männer. In einem dritten Grab fand der Sachverständige die Leiche eines rund 40 Jahre alten Mannes, der aufgrund aufgefundener sowjetischer Uniformstücke als sowjetischer Kriegsgefangener identifiziert wurde. Noch im Herbst 1945 wurden die elf Leichen an der westlichen Ecke des katholischen Friedhofs Emmersdorf in einem Massengrab beigesetzt.

Das "vergessene Judengrab" in Emmersdorf
In Emmersdorf Im Mai 1950 beauftragte die NÖ Landesregierung die Errichtung eines zweigeteilten Gedenksteines, der sowohl gefallenen Soldaten der deutschen Wehrmacht, als auch den namentlich nicht bekannten elf Erschießungsopfern aus Leiben gewidmet werden sollte. Der Stein wurde noch im Juni 1950 verwirklicht und in weiterer Folge von Gemeinde und Pfarre Emmersdorf gepflegt. Zu einem unbekannten Zeitpunkt und aus ebensolchen Gründen wurde der Stein jedoch – ohne Ersatz – entfernt und das Massengrab blieb über Jahrzehnte unkenntlich. Erst im Jahr 2014 wurde das "vergessene Judengrab" auf dem Emmersdorfer Friedhof in lokalen Medien thematisiert und im Jahr 2016 neuerlich mit einer Gedenktafel versehen. Der Schriftzug "Im Gedenken der jüdischen Opfer des 2. Weltkrieges von 1939 – 1945, Schalom – Friede" wurde im September 2019 im Zuge einer erstmaligen Gedenkfeier unter Beteiligung der örtlichen Neuen Mittelschule um eine weitere Tafel ergänzt.