ZWISCHENRÄUME
 
Erlauf
 
Erlauf Erinnert - Museum der Friedensgemeinde
 
In der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 trafen sich in Erlauf der sowjetische General Dmitri Dritschkin und der US-amerikanische General Stanley Reinhart und feierten gemeinsam den um 00:01 Uhr in Kraft tretenden Waffenstillstand und damit das Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa. Rund um diesen historischen Moment rankt sich das Ausstellungskonzept des Museums Erlauf Erinnert, das BesucherInnen seit 2015 offen steht.
Im Fokus steht dabei jedoch nicht das Zusammentreffen der beiden alliierten Siegermächte 1945, sondern vielmehr die Entwicklung, wie in den letzten Jahrzehnten an diesen historischen Moment öffentlich erinnert wurde. Beginnend mit den Lebensgeschichten der beiden jüdischen Emigranten Ernst Brod und Frank Schanzer, die durch die Übermittlung einer Broschüre des amerikanischen Militärs Ende der 1950er Jahre die offizielle Gedenkkultur in Erlauf ins Rollen gebracht haben. Die in Folge initiierte erste Erinnerungsfeier im Mai 1965 bei der eine Gedenktafel enthüllt und den Botschaftern der USA und der Sowjetunion symbolisch Wodka, Whisky und Veltliner servierte wurde, bildete den Beginn einer bis heute lebendigen Erinnerungskultur in Erlauf, aus der später die jährlichen Friedentage und schließlich das Museum hervorgingen. 
Im Zuge der gesellschafts- und erinnerungspolitischen Veränderungen in den 1980er und 1990er Jahren wurde Erlauf auch noch in anderer Hinsicht zum besonderen Beispiel:  1995 wurden die Friedensdenkmäler der amerikanischen Künstlerin Jenny Holzer und des russischen Bildhauers Oleg Komov errichtet und damit eine intensive künstlerische Auseinandersetzung mit dem Zweiten Weltkrieg eröffnet. In Folge entstanden einer Reihe von temporären Kunstprojekten im öffentlichen Raum von Erlauf, die sich mit der nationalsozialistischen Vergangenheit und kriegerischen Konflikten ebenso wie mit gesellschaftlichen Mechanismen von Ausgrenzung und Rassismus befassten. 
Die Darstellung der kontinuierlichen Beschäftigung mit zeitgenössischer Kunst und den Formen des Erinnerns werden in der Dauerausstellung des Museums durch einen zeithistorischen Teil ergänzt und mit diesem vernetzt. Anhand des kleinen Ortes Erlauf und mittels historischer Quellen und Objekte aus dem Dorf und der Region wird beispielhaft die Geschichte von Totalitarismus und Vertreibung ebenso gezeigt, wie die Brüche und Kontinuitäten der österreichischen Erinnerungskultur der Zweiten Republik. Ein Veranstaltungsraum ist temporären Ausstellungen und Vermittlungsprojekten gewidmet, in der auch die künstlerische Auseinandersetzung mit der Thematik jedes Jahr fortgesetzt wird.